Gilt noch das Halbeinkünfteverfahren?

Nein! Mit der Einführung der Abgeltungssteuer zum 1.1.2009 wurde das Halbeinkünfteverfahren abgeschafft. Im Privatvermögen erzielte Gewinne aus Dividenden und Aktienverkäufen müssen voll versteuert.

Regelung bis 31.12.2008 (ohne Abgeltungssteuer)

Das Halbeinkünfteverfahren gilt seit 2001 für Einkünfte aus ausländischen Beteiligungen, seit 2002 auch für inländische Beteiligungen an Kapitalgesellschaften. Halbeinkünfteverfahren heißt, dass Dividenden und Spekulationsgewinne aus Aktiengeschäften nur zur Hälfte besteuert werden, und zwar mit dem persönlichen Steuersatz des Anlegers.

Neue Regelung ab 1.1.2009 (mit Abgeltungssteuer)

Das Halbeinkünfteverfahren wurde abgeschafft: Gewinne aus Dividenden und Aktienverkäufen werden ab 1. Januar 2009 mit 25 Prozent Abgeltungssteuer plus 5,5 Prozent Soli und ggf. Kirchensteuer belegt. Für Dividenden gilt dies unabhängig vom Zeitpunkt des Erwerbs: Auch für 2008 oder früher erworbene Aktien oder Aktienfonds wird ab 1.1.2009 Abgeltungssteuer auf Dividenden-Auschüttungen fällig. Für Gewinne aus Verkäufen gilt dies nur für Aktien oder Aktienfonds, die ab dem 1.1.2009 erworben werden: Früher erworbene Aktien bzw. Fondsanteile können nach einer Haltedauer von mindestens einem Jahr steuerfrei verkauft werden.

Unterm Strich

Für Anleger, deren gesamte Kapitalerträge unter dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Verheiratete: 1602 Euro) liegen, ändert sich durch den Wegfall des Halbeinkünfteverfahrens nichts, da sie keine Abgeltungssteuer auf ihre Kapitalerträge zahlen müssen.
Tipp: Sie sollten Ihre Freistellungsaufträge überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Wenn Sie z.B. mit einem Aktiendepot 500 Euro Dividendeneinnahmen pro Jahr erzielen, reichte bis 31. Dezember 2008 ein Freistellungsauftrag über 250 Euro. Zum 1.1.2009 sollten Sie diesen auf 500 Euro erhöhen – andernfalls wird auf die nicht freigestellten 250 Euro Abgeltungssteuer erhoben, die Sie sich dann mühsam später über die Steuererklärung zurückholen müssen.

Für Anleger, die mit ihren Kapitalerträgen über dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro bzw. 1602 Euro (Verheiratete) liegen, verschlechtert sich der Anlageerfolg durch den Wegfall des Halbeinkünfteverfahrens. Wie groß das Minus ist, hängt vom persönlichen Steuersatz ab, wie das folgende Rechenbeispiel zeigt:

Persönlicher Einkommensteuersatz
20%
30%
42%
45%
Belastung einer Dividende in Höhe von 1000 Euro (inkl. 5,5% Soli, ohne
Kirchensteuer, Günstigerprüfung*, ohne Freibeträge)
bis 2009 (Halbeinkünfteverf.)
105,50
158,30
221,60
237,40
ab 2009 (Abgeltungssteuer)
211,00
263,80
263,80
263,80
Verlust
105,50
105,50
42,20
26,40

* Günstigerprüfung: Ledige / Verheiratete mit einem Jahreseinkommen unter 15.000 Euro / 30.000 Euro sollten ihre Einkünfte aus Kapitalvermögen in der Steuerklärung angeben, weil ihr persönlicher Steuersatz unter dem Abgeltungssteuersatz liegt und sie so von der Bank bereits abgeführte Abgeltungssteuer zurückbekommen.

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Wird Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer erhoben?

Ja! Zusätzlich zu der Abgeltungssteuer werden 5,5 % Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer auf den Abgeltungssteuerbetrag erhoben. Die Höhe der Kirchensteuer wird von den Ländern festgesetzt und auch von diesen eingezogen. Bayern und Baden-Württemberg ziehen 8 % Kirchensteuer ein, alle übrigen Bundesländer 9 %.

Da die Kirchensteuer sonderabzugsfähig ist und das zu versteuernde Einkommen senkt, betragen in diesem Fall Abgeltungssteuer 24,45 %, Solidaritätszuschlag 1,34 % und Kirchensteuer 2,20 %. Die Gesamt-Steuerbelastung durch die Abgeltungssteuer inklusive Soli und Kirchensteuer beträgt also ziemlich genau 28 %.

Neu ist ab 1. Januar 2015, dass die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer automatisch einbehalten und über das Bundeszentralamt für Finanzen in Berlin an die Religionsgemeinschaften abgeführt wird. Zu diesem Zweck rufen die Geldinstitute einmal jährlich im Zeitraum vom 1. September bis 31. Oktober beim Bundeszentralamt für Finanzen die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden zum Stichtag 31. August des Jahres ab.

Anleger können dem automatischen Datenabruf beim Bundeszentralamt für Finanzen schriftlich widersprechen, indem Sie einen Sperrvermerk einlegen. Das hierfür vorgesehene Formular kann im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung als PDF herunter geladen oder online am Computer ausgefüllt werden. Der Antrag muss bis 30. Juni des Jahres beim Bundeszentralamt für Finanzen eingehen.

Achtung: Der Sperrvermerk entbindet nicht von der Kirchensteuer-Pflicht. Sie müssen die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer über die Steuererklärung ans Finanzamt abführen.

Gut zu wissen: Kirchensteuer wird genauso wie die Abgeltungssteuer und der Solidaritätszuschlag erst fällig, wenn der Sparerpauschbetrag von 801 € (Verheiratete 1602 €) aufgebraucht ist.

Rechenbeispiel (Annahme: Sie leben in Hessen, sind katholisch und Ihre Kapitalerträge belaufen sich im Jahr 2009 auf 2500 €):

  • 2500 € – 801 € Sparerpauschbetrag ergeben 1699 €.
  • Darauf 24,45 % Abgeltungssteuer, das sind 415,40 €.
  • Darauf 5,5 % Solidaritätszuschlag ergeben 22,84 €.
  • 415,40 €: Darauf 9 % Kirchensteuer sind 37,38 €.
  • Gesamtsteuerbelastung: 415,40 € + 22,84 € + 37,38 € = 475,62 €.

Es werden also insgesamt 475,62 € einbehalten. Von ihrem Kapitalertrag von 2500 € erhalten Sie von Ihrer Bank nur noch 2024,38 € gutgeschrieben.

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Gibt es noch ein Sammelantragsverfahren?

Nein! Mit der Einführung der Abgeltungssteuer seit 1. Januar 2009 entfällt auch die Möglichkeit, bei Dividendenzahlungen auf Belegschafts- oder Genossenschaftsanteile bis zu 51 Euro das sogenannte Sammelantragsverfahren (§ 45b EStG) durchzuführen.

Dieses Verfahren hatte den Vorteil, dass für Dividenden bis zu 51 Euro kein Freistellungsauftrag bzw. keine Nichtveranlagungsbescheinigung erforderlich war. Für derartige Einkünfte sollte daher ab 1.1.2009 ein Freistellungsauftrag bzw. eine Nichtveranlagungsbescheinigung bei der kontoführenden Stelle eingereicht werden.

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Gibt es noch einen Bagatellbetrag?

Nein! Mit der Einführung der Abgeltungssteuer werden sämtliche Zinserträge besteuert, unabhängig von der Höhe. Der Bagatellbetrag für Zinserträge von unter 10 Euro je Einlagenkonto entfällt. Für Anleger bedeutet das: Alle Zinserträge sollten freigestellt werden. Entsprechende Freistellungsaufträge bzw. Nichtveranlagungsbescheinigungen sollten an die jeweilige kontoführende Stelle gegeben werden.

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Gibt es weiter eine Nichtveranlagungsbescheinigung?

Ja. Anleger, deren Einkünfte 2011 voraussichtlich 8004 € / 16009 € (ledig/verheiratet) nicht übersteigen, können bei ihrem Finanzamt eine so genannte Nichtveranlagungsbescheinigung (kurz: NV-Bescheinigung) beantragen. Sie erhalten ihre Erträge dann ohne Zinsabschlag ausgezahlt.

Die Nichtveranlagungsbescheinigung ist insbesondere für Rentner und Kinder interessant, wenn sie Zinseinkünfte oberhalb des Sparerpauschbetrags von 801 € / 1602 € (ledig/verheiratet) haben.

  • Kinder erzielen normalerweise keine Einkünfte. Daher lohnt es sich für die Eltern immer, eine Nichtveranlagungsbescheinigung zu beantragen. Insbesondere wenn Vermögen übertragen wird und die daraus erzielten Kapitalerträge die Freibeträge übersteigen.
  • Rentner haben gewöhnlich kein Arbeitseinkommen. Beispiel: Bei 5000 Euro Zinsen oder Dividenden abzüglich Freibetrag sind bei Verheirateten 3398 Euro zu versteuern. Beträgt das zu versteuernde Einkommen, also Rente minus Rentenfreibetrag plus Zinseinkünfte minus Sparerpauschbetrag, weniger als der Grundfreibetrag von 8004 € bzw. 16009 € (ledig/verheiratet), sollte man eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragen und diese bei der Bank abgeben. Die Bank führt dann keine Abgeltungssteuer an den Fiskus ab, sondern überweist den vollen Kapitalertrag.

Gut zu wissen: Die Nichtveranlagungsbescheinigung wird in der Regel für drei Jahre ausgestellt und muss danach erneut beantragt werden. Wenn Sie bei Ihrer Bank eine Nichtveranlagungsbescheinigung eingereicht haben, brauchen Sie keinen Freistellungsauftrag mehr zu stellen. Die NV-Bescheinigung ist aber keine Befreiung von der Steuerpflicht. Wenn die Einkünfte höher ausfallen als erwartet, muss der Betrag über dem Grundfreibetrag versteuert werden.

Der Antrag – so geht’s

Den Antrag auf eine NV-Bescheinigung (NV 1 A ) ist jahresneutral und kann im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung als PDF heruntergeladen oder online am Computer ausgefüllt werden.

Der Antrag kann aber auch formlos gestellt werden. Dafür benötigt das Finanzamt die Steuerbescheide der letzten Jahre.

In diesem Antrag muss man sämtliche Renteneinnahmen, Kapitaleinnahmen, Einnahmen aus Nebenjobs und vor allem aber alle steuersparenden Posten wie Behindertenpauschbetrag, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen erklären. Das zu versteuernde Einkommen muss unter 8004 € / 16009 € (ledig/verheiratet) liegen, um die NV-Bescheinigung zu bekommen.

Die Nichtveranlagungsbescheinigung reichen Sie dann bei allen Banken ein, bei denen Sie Einnahmen aus Zinsen oder Dividenden haben. Hierfür tragen Sie in Zeile 22 des Antragsformulars ein, wie viele NV-Bescheinigungen Sie brauchen.

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Welche Auswirkungen hat die Abgeltungssteuer auf die Betriebliche Altersvorsorge?

Die betriebliche Altersversorgung, kurz: bAV, ist von der Abgeltungsteuer nicht betroffen. Auszahlungen erfolgen bei der bAV auch weiterhin nach dem Schema:

  • Frühestens zum Alter 60 wird eine lebenslange private Rentenversicherung fällig. Sie wird direkt an den Arbeitnehmer ausgezahlt. Deshalb müssen die Renten bei Auszahlung in voller Höhe nach dem persönlichen Steuersatz versteuert werden.
  • Für Verträge, die vor dem 1. Januar 2003 abgeschlossen und mindestens eine 12-jährige Laufzeit vereinbart wurden, erfolgt die Auszahlung steuerfrei.
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Wie wird die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer erhoben?

Hierfür sieht der Gesetzgeber ab 1. Januar 2015 zwei Möglichkeiten vor:

  • Variante 1: Die Geldinstitute rufen einmal im Jahr die Religionszegehörigkeit Ihrer Kunden beim Bundeszentralamt für Steuern ab. Sofern der Anleger keinen Sperrvermerk gegen diese Übermittlung seiner Religionszugehörigkeit eingelegt hat, nimmt das Kreditinstitut die Erhebung der Kirchensteuer für ihn vor und führt diese an das zuständige Finanzamt ab. Das Finanzamt führt dann die Kirchensteuer an die betreffende Religionsgemeinschaft ab.
  • Variante 2: Wenn der Anleger bei Bundeszentralamt für Steuern einen Sperrvermerk gegen die Übermittlung seiner Religionszugehörigkeit eingelegt hat, muss er im Zuge der Einkommensteuererklärung dem Finanzamt gegenüber die einbehaltene Abgeltungssteuer angeben. Das Finanzamt setzt dann auf Grund der angegebenen Abgeltungssteuer die Kirchensteuer für ihn fest und führt sie an die betreffende Religionsgemeinschaft ab.
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Welche Kapitalerträge fallen seit 1. Januar 2009 unter die Abgeltungssteuer?

Folgende Kapitalerträge fallen seit 1. Januar 2009 unter die Abgeltungssteuer:

  • realisierte Kursgewinne
  • Spekulationsgewinne
  • Dividenden
  • Zinserträge
  • Bonuszahlungen

Im Einzelnen: Kursgewinne von Wertpapieren werden von der Bank entweder beim Verkauf oder bei Fälligkeit direkt versteuert.

Zinserträge und Dividenden werden von der Bank versteuert, wenn sie dem Konto oder Depot zufließen oder gutgeschrieben werden, beispielsweise bei Aktien nach der Hauptversammlung, wenn die Dividenden ausgezahlt werden.

Diese Regel gilt für Aktien, Aktien-Anleihen, Bundesschatzbriefe, Sparkonten, Tagesgeldfonds oder andere Investments, bei denen Kursgewinne erzielt werden. Es werden jeweils 25% Abgeltungssteuer sowie der Solidaritätszuschlag auf den Abgeltungssteuerbetrag und ggf. Kirchensteuer je nach Bundesland fällig.

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Für welche Kapitalerträge wird keine Abgeltungssteuer fällig?

Wichtigste Ausnahme: Kursgewinne auf Wertpapiere (mit Ausnahme von Zertifikaten), die vor dem Ende des Jahres 2008 gekauft wurden, fallen nicht unter die Abgeltungssteuer.

Auch Immobilien, edle Metalle wie Gold, Silber, Platin, Palladium (in Waren oder als Münzen), Antiquitäten, Münzsammlungen, Kunstwerke, Riester- Verträge, Rürup-Verträge, Erträge aus dem geschlossenen Fonds (u.a. Schiffe, Immobilien) sowie Leistungen aus der betrieblichen Altersvorsorge (Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse, Direktzusage) fallen nicht unter die Abgeltungssteuer, ebenso wenig wie Kapitallebens- und Rentenversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden. Desweiteren Kapitalerträge aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbstständiger Arbeit, Vermietung und Verpachtung sowie Zinsen aus Gesellschafterdarlehen (das sind Darlehensverträge zwischen nahe stehenden Personen).

Für alle hier aufgeführten Einkünfte gelten die bisherigen Steuervorschriften und Steuergesetze und nicht die Abgeltungssteuer.

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Was ist die Abgeltungssteuer?

Die Abgeltungssteuer wurde am 25. Mai 2007 vom Bundestag im Zuge der Unternehmenssteuerreform beschlossen. Sie ist am 1. Januar 2009 in Kraft getreten. Abgeltungsteuer bedeutet, dass alle Kapitalerträge, die nicht in einem Unternehmen anfallen, mit einem einheitlichen Steuersatz besteuert werden. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer.

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Erbschaft und Abgeltungssteuer: Ist Erben gleich neu erwerben?

Nein. Eine Erbschaft ist kein Neuerwerb. Bis zum 31. Dezember 2008 gekaufte Wertpapiere können nach einem Jahr steuerfrei verkauft werden. Für Zertifikate gilt eine andere Regelung.

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Kann es Probleme geben, wenn man die Bank wechselt?

Anders als früher, als man bei seiner Bank über Jahrzehnte Konto und gegebenenfalls Depot hatte, wechseln heute viele Sparer und Anleger häufiger ihre Konto oder Depot führende Bank. Bei einem solchen Wechsel ist die bisherige Bank verpflichtet, der neuen Bank folgende Informationen zu geben:

  • den jeweiligen Anschaffungszeitpunkt aller im Depot verbuchten Wertpapiere
  • die Anschaffungskosten jedes einzelnen Wertpapiers (Bankspesen, Maklergebühr für den Kauf)
  • Ausgabeaufschläge bei Fonds
  • gegebenenfalls den Stand von Verlustverrechnungen (allerdings getrennt nach Aktiengeschäften und sonstigen Kapitalerträgen).
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Wann muss man weniger Steuer auf seine Kapitalerträge zahlen als die 25% Abgeltungssteuer?

Dies ist eine Frage nach dem so genannten persönlichen Grenzsteuersatz. Dieser ist erreicht bei einem Jahreseinkommen von etwa 15.000 € für Einzelpersonen und etwa 30.000 € für zusammen veranlagte Ehepaare. Liegt der persönliche Grenzsteuersatz unter 25%, sollte man die Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung angeben und die Veranlagungsoption zum individuellen Steuersatz wählen. Diese Option sollte auch gewählt werden, wenn man sich nicht genau darüber im Klaren ist, ob der Grenzsteuersatz über oder unterhalb der 25%-Grenze liegt. Das Finanzamt ist verpflichtet, eine so genannte „Günstiger-Prüfung“ durchzuführen. Wenn sich dann herausstellt, dass der Grenzsteuersatz unter der 25%-Grenze liegt, wird automatisch der persönliche Steuersatz auf die Kapitaleinkünfte angewendet. Im umgekehrten Fall, wenn der persönliche Steuersatz über der 25%-Grenze liegt, muss die 25%-ige Abgeltungssteuer bezahlt werden.

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Kann es sein, dass man als Anleger mehr als die üblichen 25% Abgeltungssteuer bezahlen muss?

Nein. Entweder die Bank überweist die auf Kapitalerträge fällige Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Oder man erklärt seine Kapitaleinkünfte selbst beim Finanzamt, weil in einem Jahr der individuelle Einkommensteuersatz niedriger liegt als 25%.

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Muss für Kapitalerträge, die aus dem Ausland stammen, auch Abgeltungssteuer gezahlt werden?

Ja. Auch auf im Ausland erzielte Kapitalerträge wird ab 1. Januar 2009 Abgeltungssteuer erhoben. Besteht das Depot oder Konto bei einer inländischen Bank, führt diese die Abgeltungssteuer auf im Ausland erzielte Kapitalerträge automatisch an das deutsche Finanzamt ab.
Ist das Konto oder Depot im Ausland oder kommen die Kapitalerträge von einer ausländischen Bank, einer ausländischen Vorgesellschaft oder der ausländischen Tochtergesellschaft einer deutschen Bank, wird keine Abgeltungssteuer einbehalten. Der Depot- bzw. Kontoinhaber hat aber die Pflicht, seine Erträge in seiner Steuererklärung (Anlage AUS für Auslandserträge) selbst anzugeben.

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Müssen Kinder Abgeltungssteuer zahlen, wenn sie Kapitaleinkünfte haben?

Kinder müssen nur dann Abgeltungssteuer zahlen, wenn ihre Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag liegen. Dies wird in der Regel nicht der Fall sein. Deshalb sollte man sich – wie bisher – eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt ausstellen lassen. Mit dieser Bescheinigung müssen Kinder dann auf Konten und Depots weder Abgeltungssteuer noch Solidaritätszuschlag oder eventuelle Kirchensteuer zahlen.

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Gibt es weiterhin einen Sparerfreibetrag?

Ja, allerdings in veränderter Form. Der bisherige Sparerfreibetrag heißt nun Sparerpauschbetrag. Die Höhe beträgt 801 € (Verheiratete 1602 €).

Regelung bis 31.12.2008

Zinseinkünfte bis zu einer Höhe von 750 € (zusammen veranlagte Paare bis 1500 €) müssen gar nicht versteuert werden (Sparerfreibetrag). Diese Regelung gilt bis einschließlich 31. Dezember 2008. Außerdem können Werbungskosten (etwa die Reise zur Hauptversammlung einer AG, deren Aktien man besitzt) steuerlich geltend gemacht werden. Wer solche Ausgaben nicht hat, kann zumindest die Werbungskostenpauschale in Höhe von 51 € (Verheiratete 102 €) geltend machen.

Neue Regelung ab 1.1.2009 (mit Abgeltungssteuer)

Bis einschließlich 801 € (Ehepaare 1602 €) bleiben Kapitaleinkünfte auf jeden Fall steuerfrei. Versteuert werden muss alles, was über 801 € (Ehepaare 1602 €) liegt. Mit dem Sparerpauschbetrag sind auch die Werbungskosten abgedeckt. Darüber hinausgehende Kosten können nicht mehr geltend gemacht werden.

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Gibt es noch eine Spekulationsfrist?

Ja. Abgeschafft wurde lediglich die Spekulationsfrist für Wertpapiere. Für Immobilien und andere Wirtschaftsgüter nach § 23 EStG gibt es auch nach dem 1. Januar 2009 weiterhin eine Spekulationsfrist.

Bei Immobilien beträgt die Spekulationsfrist 10 Jahre (Ausnahme: selbstgenutzte Immobilien, die im Jahr ihres Verkaufs und in den beiden vorangegangenen Jahren selbst bewohnt wurden), bei anderen Wirtschaftgütern (z.B. Briefmarken, Edelmetalle, Kunstgegenstände, Devisen, Kraftfahrzeuge, Hausrat) 1 Jahr. Wird das Wirtschaftgut innerhalb der Spekulationfrist verkauft, ist ein etwaiger Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern.

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Gilt nach dem 1. Januar 2009 die Spekulationsfrist bei Veräußerung von Wertpapieren?

Nein, diese Regelung entfällt mit Einführung der Abgeltungssteuer zum 1. Januar 2009. Es ist unerheblich, wie lange ein Wertpapier im Depot gehalten wird. So genannte Spekulationsgewinne (amtsdeutsch: „Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften“) entfallen. Beim Verkauf von Wertpapieren müssen auf die Gewinne immer Abgeltungssteuer sowie Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer auf den Abgeltungssteuerbetrag gezahlt werden.

Gut zu wissen:

  • Für Wertpapiere, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, gilt die alte Regelung (Bestandsschutz). Das bedeutet, dass etwaige Veräußerungsgewinne nach einer Haltedauer von mindestens einem Jahr steuerfrei sind.
  • Altverluste aus dem Verkauf von Wertpapieren innerhalb der einjährigen Spekualtionsfrist können noch bis 2013 mit etwaigen Veräußerungsgewinnen aus Wertpapieren verrechnet werden.
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Wird Abgeltungssteuer erhoben für so genannte Finanzinnovationen (etwa Garantiezertifikate oder Zerobonds)?

Ja. Aber so genannte Finanzinnovationen zählen zu den Gewinnern der neuen Abgeltungssteuer. Denn die Abgeltungssteuer gilt auch für Käufe von Finanzinnovationen, die vor dem 1. Januar 2009 getätigt wurden. Bisher galt für diese Fälle der persönliche Einkommensteuersatz, der in der Regel über dem Abgeltungssteuersatz von 25% gelegen hat.

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