Gibt es weiter eine Nichtveranlagungsbescheinigung?

Ja. Anleger, deren Einkünfte 2011 voraussichtlich 8004 € / 16009 € (ledig/verheiratet) nicht übersteigen, können bei ihrem Finanzamt eine so genannte Nichtveranlagungsbescheinigung (kurz: NV-Bescheinigung) beantragen. Sie erhalten ihre Erträge dann ohne Zinsabschlag ausgezahlt.

Die Nichtveranlagungsbescheinigung ist insbesondere für Rentner und Kinder interessant, wenn sie Zinseinkünfte oberhalb des Sparerpauschbetrags von 801 € / 1602 € (ledig/verheiratet) haben.

  • Kinder erzielen normalerweise keine Einkünfte. Daher lohnt es sich für die Eltern immer, eine Nichtveranlagungsbescheinigung zu beantragen. Insbesondere wenn Vermögen übertragen wird und die daraus erzielten Kapitalerträge die Freibeträge übersteigen.
  • Rentner haben gewöhnlich kein Arbeitseinkommen. Beispiel: Bei 5000 Euro Zinsen oder Dividenden abzüglich Freibetrag sind bei Verheirateten 3398 Euro zu versteuern. Beträgt das zu versteuernde Einkommen, also Rente minus Rentenfreibetrag plus Zinseinkünfte minus Sparerpauschbetrag, weniger als der Grundfreibetrag von 8004 € bzw. 16009 € (ledig/verheiratet), sollte man eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragen und diese bei der Bank abgeben. Die Bank führt dann keine Abgeltungssteuer an den Fiskus ab, sondern überweist den vollen Kapitalertrag.

Gut zu wissen: Die Nichtveranlagungsbescheinigung wird in der Regel für drei Jahre ausgestellt und muss danach erneut beantragt werden. Wenn Sie bei Ihrer Bank eine Nichtveranlagungsbescheinigung eingereicht haben, brauchen Sie keinen Freistellungsauftrag mehr zu stellen. Die NV-Bescheinigung ist aber keine Befreiung von der Steuerpflicht. Wenn die Einkünfte höher ausfallen als erwartet, muss der Betrag über dem Grundfreibetrag versteuert werden.

Der Antrag – so geht’s

Den Antrag auf eine NV-Bescheinigung (NV 1 A ) ist jahresneutral und kann im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung als PDF heruntergeladen oder online am Computer ausgefüllt werden.

Der Antrag kann aber auch formlos gestellt werden. Dafür benötigt das Finanzamt die Steuerbescheide der letzten Jahre.

In diesem Antrag muss man sämtliche Renteneinnahmen, Kapitaleinnahmen, Einnahmen aus Nebenjobs und vor allem aber alle steuersparenden Posten wie Behindertenpauschbetrag, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen erklären. Das zu versteuernde Einkommen muss unter 8004 € / 16009 € (ledig/verheiratet) liegen, um die NV-Bescheinigung zu bekommen.

Die Nichtveranlagungsbescheinigung reichen Sie dann bei allen Banken ein, bei denen Sie Einnahmen aus Zinsen oder Dividenden haben. Hierfür tragen Sie in Zeile 22 des Antragsformulars ein, wie viele NV-Bescheinigungen Sie brauchen.

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Gibt es weiterhin einen Sparerfreibetrag?

Ja, allerdings in veränderter Form. Der bisherige Sparerfreibetrag heißt nun Sparerpauschbetrag. Die Höhe beträgt 801 € (Verheiratete 1602 €).

Regelung bis 31.12.2008

Zinseinkünfte bis zu einer Höhe von 750 € (zusammen veranlagte Paare bis 1500 €) müssen gar nicht versteuert werden (Sparerfreibetrag). Diese Regelung gilt bis einschließlich 31. Dezember 2008. Außerdem können Werbungskosten (etwa die Reise zur Hauptversammlung einer AG, deren Aktien man besitzt) steuerlich geltend gemacht werden. Wer solche Ausgaben nicht hat, kann zumindest die Werbungskostenpauschale in Höhe von 51 € (Verheiratete 102 €) geltend machen.

Neue Regelung ab 1.1.2009 (mit Abgeltungssteuer)

Bis einschließlich 801 € (Ehepaare 1602 €) bleiben Kapitaleinkünfte auf jeden Fall steuerfrei. Versteuert werden muss alles, was über 801 € (Ehepaare 1602 €) liegt. Mit dem Sparerpauschbetrag sind auch die Werbungskosten abgedeckt. Darüber hinausgehende Kosten können nicht mehr geltend gemacht werden.

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Braucht man noch einen Freistellungsauftrag?

Ja. Zwar gilt der alte Freistellungsauftrag weiter, doch man sollte bei seiner Bank einen neuen Freistellungsauftrag anfordern. In diesem Fall kann man der Bank nämlich gleich mitteilen, welcher Konfession man angehört. Oder dass man konfessionslos ist und dementsprechend auch keine Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer erhoben und ans Finanzamt weitergeleitet werden muss.

Sollte kein Freistellungsauftrag bei der Bank vorliegen, wird diese in jedem Fall Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag an den Fiskus abführen.

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Kann man auf seinen Freistellungsauftrag verzichten?

Das sollte man nicht tun. In diesem Fall müsste man sich zuviel gezahlte Steuern nachträglich in der Steuererklärung vom Finanzamt zurückholen. Dies geschieht, indem man die Kapitaleinkünfte in der Einkommensteuererklärung angibt. Ein nicht unbeträchtlicher Aufwand, den man mit einem Freistellungsauftrag gleich vermeidet. Außerdem hat das Finanzamt bei nicht vorliegendem Freistellungsauftrag das Recht auf einen Kontoabruf. Das will man eigentlich nicht, oder?

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Was passiert, wenn man keinen Freistellungsauftrag gestellt hat?

In diesem Fall führt die Bank auf alle Kapitaleinkünfte 25% Abgeltungssteuer sowie 5,5% Solidaritätszuschlag auf den Abgeltungssteuerbetrag und gegebenenfalls Kirchensteuer an den Fiskus ab. Dies käme dem Verzicht auf den Sparerpauschbetrag von 801 € für Einzelpersonen beziehungsweise 1602 € für Verheiratete gleich. Diesen Betrag kann man sich zurückholen, wenn man seine Kapitaleinkünfte in die persönliche Steuererklärung aufnimmt.

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Was passiert, wenn man mehrere Freistellungsaufträge erteilt hat und diese nicht optimal verteilt sind?

Dieser Fall ist sogar der Regelfall, denn niemand weiß genau am Anfang eines Jahres, wie sich die Einkünfte verschiedener Konten und Depots entwickeln. So kann es passieren, dass bei Bank X der Freistellungsauftrag zu hoch und bei Bank Y zu niedrig ausfällt. Letztere Bank würde dann schon Abgeltungssteuer abführen, obwohl insgesamt der Sparerpauschbetrag von 801 € für Einzelpersonen beziehungsweise 1602 € für Ehepaare noch gar nicht überschritten worden ist. In diesem Fall lohnt es sich, die Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung anzugeben.

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Können Verluste aus den Jahren vor 2009 steuerlich geltend gemacht werden?

Die Anrechnung von so genannten Altverlusten, also Verlusten, die bis Ende 2008 durch den Verkauf von Aktien oder Fondsanteilen innerhalb der Spekualtionsfrist entstanden sind, wird ab 2009 folgendermaßen gehandhabt:

  • Die Verrechnung von Altverlusten mit Veräußerungsgewinnen aus Kapitalanlagen ist nur noch bis 2013 möglich. Hierunter fallen private Veräußerungsgewinne, die durch den Verkauf von Aktien und Fondsanteilen erzielt werden. Eine Verrechnung der Altverluste mit Erträgen wie Zinsen oder Dividenden ist allerdings nicht möglich.
  • Ab 2014 ist eine Verechnung von Altverlusten nur noch mit sonstigen Veräußerungsgewinnen („Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften“) möglich. Hierunter fallen z. B. Gewinne aus Immobilienverkäufen, die innerhalb der Spekulationsfrist von 10 Jahren getätigt werden, oder von Gold, Kunst, Antiquitäten oder Wertsachen, die innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr mit Gewinn verkauft wurden.

Beispiel: Ein Anleger erwirbt im Januar 2008 Anteile an einem Aktienfonds, die er während der Finanzkrise im November 2008, also innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist, mit 10.000 Euro Verlust wieder verkauft. Im März 2009 kauft er Anteile an einem Aktienfonds (ob an dem gleichen oder einem anderen ist unerheblich), die er im Dezember 2013 mit 10.000 Euro Gewinn verkauft. Die Verluste aus 2008 kann er mit den Gewinnen aus 2013 verrechnen, den Gewinn also steuerfrei einstreichen. Hätte er die Anteile im Januar 2014 verkauft, würden auf den Gewinn 2.500 Euro Abgeltungssteuer plus Soli und ggf. Kirchensteuer fällig.

Wichtig: Um in den „Genuss“ des Übertrags von Altverlusten zu kommen, müssen diese im Jahr ihrer Entstehung in der Steuererklärung angegeben werden (im Beispiel also in der Steuererklärung für 2008). Dafür erteilt der Fiskus einen so genannten Verlustfeststellungsbescheid.

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Kann man Verluste aus verschiedenen Kapitalerträgen mit Gewinnen aus anderen Kapitalerträgen verrechnen?

Dies ist nur eingeschränkt der Fall. Man muss genau unterscheiden zwischen Verlusten aus Aktiengeschäften und Verlusten aus anderen Anlagen (beispielsweise Anleihen). Generell gilt: Verluste aus Aktiengeschäften können nur mit Kursgewinnen aus anderen Aktiengeschäften verrechnet werden. Verluste aus Aktiengeschäften können aber nicht mit Zinserträgen oder Dividenden verrechnet werden.

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Was passiert, wenn man mehrere Depots hat und bei einer Bank Gewinne und bei der anderen Bank Verluste erzielt?

In diesem Fall ist es ratsam, eine persönliche Steuererklärung abzugeben, denn Gewinne und Verluste werden nur innerhalb einer Bank miteinander verrechnet. Dies macht die Bank selbst und führt gegebenenfalls Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an den Fiskus ab.

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Kann man Verluste aus Kapitalvermögen aus Vorjahren noch geltend machen?

Ja, das ist möglich. Damit sich diese Verluste aus den Vorjahren Steuer mindernd auswirken, müssen die Einkünfte gegenüber dem Finanzamt erklärt werden.

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Kann man Werbungskosten geltend machen?

Nein. Mit dem 2009 neu eingeführten Steuerpauschbetrag von 801 € für Ledige und 1602 € für Verheiratete sind auch die Werbungskosten abgedeckt. Darüber hinausgehende Kosten, etwa für Depotgebühren oder Spesen, die beim An- und Verkauf von Aktien und Fondsanteilen anfallen, können nicht mehr geltend gemacht werden. Dies gilt auch, wenn man seine Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung angibt und nach dem persönlichen Steuersatz versteuert.

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Kann man Anschaffungskosten von Wertpapieren geltend machen?

Ja, allerdings nur im Hinblick auf Veräußerungsgewinne. Bankspesen sowie Börsen- und Maklercourtage beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren werden bei der neuen Abgeltungssteuer angerechnet. Diese Transaktionskosten mindern ab dem Jahr 2009 den Gewinn und werden deshalb davon abgezogen.

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