Wird Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer erhoben?

Ja! Zusätzlich zu der Abgeltungssteuer werden 5,5 % Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer auf den Abgeltungssteuerbetrag erhoben. Die Höhe der Kirchensteuer wird von den Ländern festgesetzt und auch von diesen eingezogen. Bayern und Baden-Württemberg ziehen 8 % Kirchensteuer ein, alle übrigen Bundesländer 9 %.

Da die Kirchensteuer sonderabzugsfähig ist und das zu versteuernde Einkommen senkt, betragen in diesem Fall Abgeltungssteuer 24,45 %, Solidaritätszuschlag 1,34 % und Kirchensteuer 2,20 %. Die Gesamt-Steuerbelastung durch die Abgeltungssteuer inklusive Soli und Kirchensteuer beträgt also ziemlich genau 28 %.

Neu ist ab 1. Januar 2015, dass die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer automatisch einbehalten und über das Bundeszentralamt für Finanzen in Berlin an die Religionsgemeinschaften abgeführt wird. Zu diesem Zweck rufen die Geldinstitute einmal jährlich im Zeitraum vom 1. September bis 31. Oktober beim Bundeszentralamt für Finanzen die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden zum Stichtag 31. August des Jahres ab.

Anleger können dem automatischen Datenabruf beim Bundeszentralamt für Finanzen schriftlich widersprechen, indem Sie einen Sperrvermerk einlegen. Das hierfür vorgesehene Formular kann im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung als PDF herunter geladen oder online am Computer ausgefüllt werden. Der Antrag muss bis 30. Juni des Jahres beim Bundeszentralamt für Finanzen eingehen.

Achtung: Der Sperrvermerk entbindet nicht von der Kirchensteuer-Pflicht. Sie müssen die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer über die Steuererklärung ans Finanzamt abführen.

Gut zu wissen: Kirchensteuer wird genauso wie die Abgeltungssteuer und der Solidaritätszuschlag erst fällig, wenn der Sparerpauschbetrag von 801 € (Verheiratete 1602 €) aufgebraucht ist.

Rechenbeispiel (Annahme: Sie leben in Hessen, sind katholisch und Ihre Kapitalerträge belaufen sich im Jahr 2009 auf 2500 €):

  • 2500 € – 801 € Sparerpauschbetrag ergeben 1699 €.
  • Darauf 24,45 % Abgeltungssteuer, das sind 415,40 €.
  • Darauf 5,5 % Solidaritätszuschlag ergeben 22,84 €.
  • 415,40 €: Darauf 9 % Kirchensteuer sind 37,38 €.
  • Gesamtsteuerbelastung: 415,40 € + 22,84 € + 37,38 € = 475,62 €.

Es werden also insgesamt 475,62 € einbehalten. Von ihrem Kapitalertrag von 2500 € erhalten Sie von Ihrer Bank nur noch 2024,38 € gutgeschrieben.

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Wie wird die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer erhoben?

Hierfür sieht der Gesetzgeber ab 1. Januar 2015 zwei Möglichkeiten vor:

  • Variante 1: Die Geldinstitute rufen einmal im Jahr die Religionszegehörigkeit Ihrer Kunden beim Bundeszentralamt für Steuern ab. Sofern der Anleger keinen Sperrvermerk gegen diese Übermittlung seiner Religionszugehörigkeit eingelegt hat, nimmt das Kreditinstitut die Erhebung der Kirchensteuer für ihn vor und führt diese an das zuständige Finanzamt ab. Das Finanzamt führt dann die Kirchensteuer an die betreffende Religionsgemeinschaft ab.
  • Variante 2: Wenn der Anleger bei Bundeszentralamt für Steuern einen Sperrvermerk gegen die Übermittlung seiner Religionszugehörigkeit eingelegt hat, muss er im Zuge der Einkommensteuererklärung dem Finanzamt gegenüber die einbehaltene Abgeltungssteuer angeben. Das Finanzamt setzt dann auf Grund der angegebenen Abgeltungssteuer die Kirchensteuer für ihn fest und führt sie an die betreffende Religionsgemeinschaft ab.
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