Wird Abgeltungssteuer erhoben für Zinsen und Dividenden auf Wertpapiere, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden?

Ja. Für Zinserträge und Dividenden auf Wertpapiere, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, wird Abgeltungssteuer fällig. Kursgewinne auf diese Wertpapiere müssen hingegen nicht versteuert werden.

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Wie hoch ist die Abgeltungssteuer?

Der Steuersatz beträgt pauschal 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag (= 1,375 %), in der Summe beläuft sich die Abgeltungssteuer also auf 26,375 %. Hinzu kommt gegebenenfalls die Kirchensteuer von 9 % (Bayern und Baden-Württemberg: 8 %). Da die Kirchensteuer sonderabzugsfähig ist und somit das zu versteuernde Einkommen senkt, beträgt die Abgeltungssteuer in diesem Fall 24,45 % plus Solidaritätszuschlag (= 1,34 %) plus Kirchensteuer (= 2,19 % bzw. 2,2 %). Die Gesamt-Steuerbelastung durch die Abgeltungssteuer inklusive Soli und Kirchensteuer beträgt also 27,8 % (Bayern und Baden-Württemberg) bzw. 27,9 % (restliche Bundsländer).

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Schenken und Abgeltungssteuer: Ist Schenken gleich neu erwerben?

Nein. Eine Schenkung ist kein Neuerwerb. Man muss der Bank mitteilen, dass eine Depotübertragung eine Schenkung ist. Bei einer Schenkung gelten allerdings die üblichen Regelungen zur Schenkungssteuer. Diese unterscheiden zwischen engen Familienangehörigen und nicht so nahe stehenden Verwandten. Bis zum 31. Dezember 2008 gekaufte Wertpapiere, die verschenkt werden, können nach einem Jahr steuerfrei verkauft werden. Für Zertifikate gilt eine andere Regelung.

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Braucht man noch einen Freistellungsauftrag?

Ja. Zwar gilt der alte Freistellungsauftrag weiter, doch man sollte bei seiner Bank einen neuen Freistellungsauftrag anfordern. In diesem Fall kann man der Bank nämlich gleich mitteilen, welcher Konfession man angehört. Oder dass man konfessionslos ist und dementsprechend auch keine Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer erhoben und ans Finanzamt weitergeleitet werden muss.

Sollte kein Freistellungsauftrag bei der Bank vorliegen, wird diese in jedem Fall Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag an den Fiskus abführen.

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Kann man auf seinen Freistellungsauftrag verzichten?

Das sollte man nicht tun. In diesem Fall müsste man sich zuviel gezahlte Steuern nachträglich in der Steuererklärung vom Finanzamt zurückholen. Dies geschieht, indem man die Kapitaleinkünfte in der Einkommensteuererklärung angibt. Ein nicht unbeträchtlicher Aufwand, den man mit einem Freistellungsauftrag gleich vermeidet. Außerdem hat das Finanzamt bei nicht vorliegendem Freistellungsauftrag das Recht auf einen Kontoabruf. Das will man eigentlich nicht, oder?

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Was passiert, wenn man keinen Freistellungsauftrag gestellt hat?

In diesem Fall führt die Bank auf alle Kapitaleinkünfte 25% Abgeltungssteuer sowie 5,5% Solidaritätszuschlag auf den Abgeltungssteuerbetrag und gegebenenfalls Kirchensteuer an den Fiskus ab. Dies käme dem Verzicht auf den Sparerpauschbetrag von 801 € für Einzelpersonen beziehungsweise 1602 € für Verheiratete gleich. Diesen Betrag kann man sich zurückholen, wenn man seine Kapitaleinkünfte in die persönliche Steuererklärung aufnimmt.

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Gibt es für Anleger Übergangsfristen?

Ja. Kursgewinne auf alle Wertpapiere, die bis zum 31. Dezember 2008 gekauft wurden und im eigenen Depot liegen, bleiben steuerfrei.

Ausnahme: Zertifikate (etwa: Discount-, Bonus-, Index- oder Hebelzertifikate) sind in der Regel von der Abgeltungssteuer betroffen, auch wenn sie schon vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden.

Ausnahme von der Ausnahme: Zertifikate, die bis spätestens zum 14. März 2007 gekauft wurden (Beschluss des Bundeskabinetts zur Einführung der Abgeltungssteuer) oder Zertifikate, die bis spätestens 30. Juni 2009 wieder verkauft werden.

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Was passiert, wenn man mehrere Freistellungsaufträge erteilt hat und diese nicht optimal verteilt sind?

Dieser Fall ist sogar der Regelfall, denn niemand weiß genau am Anfang eines Jahres, wie sich die Einkünfte verschiedener Konten und Depots entwickeln. So kann es passieren, dass bei Bank X der Freistellungsauftrag zu hoch und bei Bank Y zu niedrig ausfällt. Letztere Bank würde dann schon Abgeltungssteuer abführen, obwohl insgesamt der Sparerpauschbetrag von 801 € für Einzelpersonen beziehungsweise 1602 € für Ehepaare noch gar nicht überschritten worden ist. In diesem Fall lohnt es sich, die Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung anzugeben.

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Muss ich selbst die Abgeltungssteuer ans Finanzamt abführen?

Nein. Die Abgeltungssteuer wird direkt von der Bank oder der Fondsgesellschaft an den Fiskus abgeführt (an der Quelle). Die Bank zahlt die Kapitalerträge an den Anleger – abzüglich Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer, die direkt ans Finanzamt überwiesen werden.

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Warum heißt die Abgeltungssteuer Abgeltungssteuer?

Offiziell heißt die Abgeltungssteuer Kapitalertragsteuer. So hieß sie nämlich bisher auch schon. Es hat sich aber der Begriff der Abgeltungssteuer eingebürgert. In Wirklichkeit ist die Abgeltungssteuer eine Quellensteuer, denn die Steuer auf Kapitalerträge wird direkt dort erhoben, wo sie auflaufen — an der Quelle, nämlich in der Bank.

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Stimmt die Schreibweise „Abgeltungssteuer“ überhaupt?

Nein. Im Amtsdeutsch wird die Abgeltungsteuer mit einem „s“ geschrieben. Auf dieser Website benutzen wir aber die Schreibweise Abgeltungssteuer, weil sie sich so eingebürgert hat. Und, seien Sie mal ehrlich, haben Sie nicht auch Abgeltungssteuer mit Doppel-„s“ geschrieben?
Übrigens: Bei Google gibt es ungefähr dreimal so viele Websites, auf denen Abgeltungssteuer mit Doppel-„s“ als mit einem „s“ geschrieben werden.

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Können Verluste aus den Jahren vor 2009 steuerlich geltend gemacht werden?

Die Anrechnung von so genannten Altverlusten, also Verlusten, die bis Ende 2008 durch den Verkauf von Aktien oder Fondsanteilen innerhalb der Spekualtionsfrist entstanden sind, wird ab 2009 folgendermaßen gehandhabt:

  • Die Verrechnung von Altverlusten mit Veräußerungsgewinnen aus Kapitalanlagen ist nur noch bis 2013 möglich. Hierunter fallen private Veräußerungsgewinne, die durch den Verkauf von Aktien und Fondsanteilen erzielt werden. Eine Verrechnung der Altverluste mit Erträgen wie Zinsen oder Dividenden ist allerdings nicht möglich.
  • Ab 2014 ist eine Verechnung von Altverlusten nur noch mit sonstigen Veräußerungsgewinnen („Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften“) möglich. Hierunter fallen z. B. Gewinne aus Immobilienverkäufen, die innerhalb der Spekulationsfrist von 10 Jahren getätigt werden, oder von Gold, Kunst, Antiquitäten oder Wertsachen, die innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr mit Gewinn verkauft wurden.

Beispiel: Ein Anleger erwirbt im Januar 2008 Anteile an einem Aktienfonds, die er während der Finanzkrise im November 2008, also innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist, mit 10.000 Euro Verlust wieder verkauft. Im März 2009 kauft er Anteile an einem Aktienfonds (ob an dem gleichen oder einem anderen ist unerheblich), die er im Dezember 2013 mit 10.000 Euro Gewinn verkauft. Die Verluste aus 2008 kann er mit den Gewinnen aus 2013 verrechnen, den Gewinn also steuerfrei einstreichen. Hätte er die Anteile im Januar 2014 verkauft, würden auf den Gewinn 2.500 Euro Abgeltungssteuer plus Soli und ggf. Kirchensteuer fällig.

Wichtig: Um in den „Genuss“ des Übertrags von Altverlusten zu kommen, müssen diese im Jahr ihrer Entstehung in der Steuererklärung angegeben werden (im Beispiel also in der Steuererklärung für 2008). Dafür erteilt der Fiskus einen so genannten Verlustfeststellungsbescheid.

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Kann man Verluste aus verschiedenen Kapitalerträgen mit Gewinnen aus anderen Kapitalerträgen verrechnen?

Dies ist nur eingeschränkt der Fall. Man muss genau unterscheiden zwischen Verlusten aus Aktiengeschäften und Verlusten aus anderen Anlagen (beispielsweise Anleihen). Generell gilt: Verluste aus Aktiengeschäften können nur mit Kursgewinnen aus anderen Aktiengeschäften verrechnet werden. Verluste aus Aktiengeschäften können aber nicht mit Zinserträgen oder Dividenden verrechnet werden.

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Was passiert, wenn man mehrere Depots hat und bei einer Bank Gewinne und bei der anderen Bank Verluste erzielt?

In diesem Fall ist es ratsam, eine persönliche Steuererklärung abzugeben, denn Gewinne und Verluste werden nur innerhalb einer Bank miteinander verrechnet. Dies macht die Bank selbst und führt gegebenenfalls Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an den Fiskus ab.

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Kann man Verluste aus Kapitalvermögen aus Vorjahren noch geltend machen?

Ja, das ist möglich. Damit sich diese Verluste aus den Vorjahren Steuer mindernd auswirken, müssen die Einkünfte gegenüber dem Finanzamt erklärt werden.

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Kann man Werbungskosten geltend machen?

Nein. Mit dem 2009 neu eingeführten Steuerpauschbetrag von 801 € für Ledige und 1602 € für Verheiratete sind auch die Werbungskosten abgedeckt. Darüber hinausgehende Kosten, etwa für Depotgebühren oder Spesen, die beim An- und Verkauf von Aktien und Fondsanteilen anfallen, können nicht mehr geltend gemacht werden. Dies gilt auch, wenn man seine Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung angibt und nach dem persönlichen Steuersatz versteuert.

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Kann man Anschaffungskosten von Wertpapieren geltend machen?

Ja, allerdings nur im Hinblick auf Veräußerungsgewinne. Bankspesen sowie Börsen- und Maklercourtage beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren werden bei der neuen Abgeltungssteuer angerechnet. Diese Transaktionskosten mindern ab dem Jahr 2009 den Gewinn und werden deshalb davon abgezogen.

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