Abgeltungssteuer: Abwarten oder zuschlagen?

Abwarten oder zuschlagen? Diese Frage stellt sich natürlich bei jeder Anlageentscheidung. Besonders wichtig war sie aber in der Zeit vorm 31. Dezember 2008, dem Stichtag der Einführung der Abgeltungsteuer. Denn: Wer bis zu diesem Termin Aktien oder Aktienfonds gekauft hat, kann etwaige Kursgewinne nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei einstreichen. Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften ab 2009 werden hingegen mit 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer belegt.

Ob sich ein Investment Ende 2008 gelohnt hat oder ob es besser gewesen wäre abzuwarten, hängt natürlich von der weiteren Entwicklung der Aktienmärkte ab. Die folgende Tabelle zeigt, wie tief der DAX fallen müsste, damit ein Investment ab 2009 besser ist als ein „Abgeltungssteuer-freies“.

DAX-Stand beim Kauf in 2008 DAX-Stand beim Kauf ab 2009 (Annahme: DAX-Plus 50%) DAX-Stand beim Kauf ab 2009 (Annahme: DAX-Plus 100%) DAX-Stand beim Kauf ab 2009 (Annahme: DAX-Plus 200%)
4500 3983 3767 3573
4600 4072 3851 3652
4700 4160 3934 3732
4800 4249 4018 3811
4810 (DAX Endstand 2008 4260 4028 3820

Quelle: Eigene Berechnungen mit Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer; ohne Berücksichtigung von Kauf- und Verkaufkosten; mit Rundungsdifferenzen.

Lesebeispiel: Sie haben 2008 einen Indexfonds (ETF) auf den DAX beim Stand von 4500 Punkten gekauft. Sie verkaufen den Fonds, z. B. 2012, mit einem Plus von 50 %, also bei einem DAX-Stand von 6750. Wenn der DAX dieses Jahr unter 3983 Punkte fällt, hätten Sie besser erst 2009 zugeschlagen – trotz Abgeltungssteuer. Denn der höhere Kursgewinn schlägt stärker zu Buch als die Abgeltungssteuer.

Wenn Sie den Fonds mit 100 % Kursgewinn verkaufen, müsste der DAX 2009 unter 3767 Punkte sinken, damit sich ein Abwarten gelohnt hätte. Erst dann wäre das Plus durch die Kursgewinne höher als die zu zahlende Abgeltungssteuer.

Wenn Sie den Fonds mit einem Plus von 200 % verkaufen, müsste der DAX unter 3573 Punkte fallen. Erst dann wäre ein Investment ab 2009 lohnender als eines vor Einführung der Abgeltungssteuer.

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