Abgeltungssteuer und Lebensversicherungen: Die 6 wichtigsten Fragen und Antworten

Am 1. Januar 2009 hat für alle Sparer und Anleger aus steuerlicher Sicht eine neue Epoche begonnen: Die so genannte Abgeltungssteuer ist in Kraft getreten. Der Bundestag hat die neue Regelung im Mai 2007 im Zusammenhang mit der Unternehmenssteuerreform beschlossen. Die Reform soll das Errechnen der Abgaben erleichtern. Die Steuervereinfachung ist für einige Privatanleger ein Nachteil gegenüber der bisherigen Regelung. Allerdings werden nicht alle Anlageformen berührt. Beispielsweise sind Lebensversicherungen nicht betroffen. Für sie bringt die neue Steuer sogar Vorteile gegenüber anderen Sparmöglichkeiten.

1. Was ändert sich ab 2009?

Ab 2009 müssen Zinseinkünfte, Gewinne aus Aktien und andere Kapitalerträge aus Anlagen pauschal mit 25 Prozent versteuert werden – unabhängig von der Haltedauer. Zusätzlich werden außerdem der Solidarzuschlag und bei Gemeindemitgliedern die Kirchensteuer erhoben. Insgesamt müssen so teilweise bis zu 28 Prozent der Kapitalerträge an das Finanzamt überführt werden. Dabei darf der Anleger eine gewisse Summe, den Sparerpauschbetrag, ohne Abzüge einbehalten. Der Sparer-Pauschbetrag löst den bisherigen Sparerfreibetrag ab und beträgt für ledige Anleger 801 Euro, für Verheiratete 1602 Euro.

2. Welche steuerliche Regelung gab es früher?

Bis Ende 2008 mussten Anleger ihre Erträge noch nach einem individuellen Steuersatz versteuern. Dabei gab es für Kursgewinne aus Aktien und Rentenpapieren überhaupt keine Steuer, wenn die Investition länger als ein Jahr dauerte und erst nach Ablauf einer Spekulationsfrist verkauft wurde. Die Spekulationsfrist für Wertpapiere betrug zwölf Monate, für Immobilien zehn Jahre. Für ausgeschüttete Aktiengewinne galt nur der halbe persönliche Steuersatz, das besagte das so genannte Halbeinkünfteverfahren. Die Spekulationsfrist für Wertpapiere und das Halbeinkünfteverfahren entfallen mit der Einführung der Abgeltungssteuer fast komplett. Für Lebensversicherungen bleibt das Halbeinkünfteverfahren jedoch erhalten.

3. Was bedeutet die Abgeltungssteuer für Lebensversicherungen?

Steuerlich bleibt bei Lebensversicherungen alles beim Alten. Die Erträge aus einer Lebensversicherung werden, wenn sie nach 2005 abgeschlossen wurde, bei Fälligkeit zur Hälfte versteuert: Das Halbeinkünfteverfahren greift weiterhin. Die Voraussetzung ist, dass die Erträge erst nach dem 60. Lebensjahr des Versicherten ausgezahlt werden. Die Lebensversicherung muss außerdem mindestens zwölf Jahre gehalten worden sein. Die Abgeltungssteuer greift ab 2009 allerdings bei Lebensversicherungen, deren Haltedauer weniger als zwölf Jahre beträgt, also bei relativ kurzen, spekulativen Geschäften.

4. Woher kommt der Name Abgeltungssteuer?

Die Abgeltungssteuer ist eine Quellensteuer. Das bedeutet, dass nicht der Anleger die Steuern an das Finanzamt abführen muss, sondern das betreffende Anlageinstitut. Damit ist die gesamte Steuerpflicht auf Kapitalanlagen des Bürgers „abgegolten“. Daher der Name Abgeltungssteuer. Eine Steuerhinterziehung wird so unmöglich. Übrigens wird die Abgeltungssteuer in der Amtssprache nur mit einem „s“ geschrieben. Die Schreibweise mit Doppel-„s“ ist allerdings geläufiger.

5. Unterliegen Anlagen, die vor 2009 abgeschlossen worden sind, auch der Abgeltungssteuer?

Es gibt eine Ausnahme für Gewinne von Aktien und Fondsanteilen, wenn diese vor dem Jahresende 2008 gekauft und anschließend zwölf Monate lang nicht angetastet wurden. Dann bleiben Erträge auch nach dem 1. Januar 2009 steuerfrei. Werden die Anteile allerdings innerhalb der jeweiligen Spekulationsfrist veräußert, gilt das bisherige Halbeinkünfteverfahren. Die Kapitalerträge werden dann also mit dem halben individuellen Steuersatz besteuert.

6. Wer hat was von der Abgeltungssteuer?

Grundsätzlich zählen Anleger, deren persönlicher Steuersatz bisher über 25 beziehungsweise 28 Prozent liegt, zu den Gewinnern der neuen Steuer. Die betriebliche Altersvorsorge, sowie die Anlage in Immobilen und geschlossene Immobilienfonds sind von der neuen Steuer ebenfalls nicht betroffen. Ihre Besteuerung wird auch ab 2009 wie bisher vollzogen. Die Liste derer, auf die die neue Steuer sogar positive Auswirkungen hat, ist länger, als Sie vielleicht denken. Zu den Gewinnern zählen nämlich alle Anlagen in:

  • Anleihen
  • Bundesschatzbriefe
  • Dachfonds
  • Festgeld
  • Lebensversicherungen
  • Sparbriefe
  • Tagesanleihen
  • Tagesgeld
  • Offene Immobilienfonds
  • Pfandbriefe
  • Rentenversicherungen
  • Zinspapiere

Christina Heße

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