Abgeltungssteuer und Riester-Rente

Mit dem 1.1.2009 hat sich das deutsche Steuersystem nachhaltig verändert: Seit Jahresbeginn ist die Abgeltungssteuer in Kraft und belastet alle Kapitalerträge pauschal mit 25 Prozent. Während viele Sparer um ihre Zinsen und Dividenden fürchten, geben sich die Inhaber der Riester-Rente entspannt. Zu Recht.

Ob Aktiendepot, Sparbuch oder Tagesgeldkonto – Vater Staat kassiert kräftig ab und belastet alle Kapitalerträge pauschal mit 25 Prozent plus Solidaritätsbeitrag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Eine Steuerreform, die für allgemeine Verunsicherung sorgt. Doch wo sich große Umbrüche vollziehen, gibt es nicht nur Verlierer, sondern auch den einen oder anderen Gewinner.

Ein Steuersatz für alle

Seit zwei Jahrhunderten gilt in Deutschland das Prinzip der Besteuerung nach der individuellen Leistungsfähigkeit. Alle Einnahmen werden zusammengerechnet und einem ansteigenden Steuertarif unterworfen – in der Spitze bis zu 45 Prozent. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn am 25. Mai 2007 hat der Bundestag im Zuge der Unternehmenssteuerreform die Einführung der Abgeltungssteuer beschlossen. Die Abgeltungssteuer ersetzt die Besteuerung von Kapitalerträgen nach dem persönlichen Steuersatz des Geldanlegers.

So werden ab dem 1. Januar 2009 alle Kapitalerträge, die nicht in einem Unternehmen anfallen, mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent belegt. Hinzu kommen anteilig der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent und gegebenenfalls die Kirchensteuer von acht beziehungsweise neun Prozent. Insgesamt behält der Fiskus zwischen 26,4 und 28 Prozent der Kapitalerträge ein.

Da es sich bei der Abgeltungssteuer um eine Quellensteuer  handelt, sie also dort fällig wird, wo der zu versteuernde Betrag entsteht, übernehmen Banken und Sparkassen die Rolle des Steuereintreibers. Sie ziehen ihren Kunden bei jeder Gutschrift und jedem Verkauf automatisch die Abgeltungssteuer vom Gewinn ab und überführen diese direkt ans Finanzamt. „Die pauschale Besteuerung der Kapitalerträge ist ein erster Schritt auf dem Weg zur vereinfachten Steuererklärung“, zeigt sich Marta Grychnik, Finanzanwärterin des Landes Nordrhein-Westfalen überzeugt. „Die Kapitalerträge müssen nicht mehr aufgelistet und nicht mehr veranlagt werden.“

Kleinsparer und Großanleger

Auf den ersten Blick scheint es, als sei die Abgeltungssteuer nicht nur einfach und unbürokratisch, sondern auch ungerecht. So muss der Spitzenverdiener den gleichen Steuersatz zahlen wie die Großmutter für das Sparbuch ihres Enkels. Und tatsächlich steht hinter der Einführung der Abgeltungssteuer der Wunsch des Bundesfinanzministers, die Attraktivität und die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzstandortes Deutschland zu stärken.

Doch auch an Geringverdiener wurde gedacht. So können Kleinsparer, deren Einkommenssteuer unter 25 Prozent liegt, ihre Kapitalerträge weiterhin nach ihrem persönlichen Steuersatz besteuern. Und auch der Sparerfreibetrag bleibt unter dem Namen Sparer-Pauschbetrag bestehen.  Demnach sind bei Ledigen Kapitalerträge von 801 Euro und bei Verheirateten 1602 Euro generell steuerfrei.

Die Riester-Rente als Gewinner

Vor allem für die Anbieter von Investmentfonds steht einiges auf dem Spiel. Seit Jahren raten sie Anlegern zu Aktienfondssparpläne als Langfristanlage, die zur Altersvorsorge ideal geeignet ist. Ab 1.1.2009 vermindert die Abgeltungssteuer jedoch die Rendite. Steuervorteile gibt es nur noch für eine Form des Fondssparens – die Riester-Rente.

Nach Meinung von Finanzexperten zählt das staatlich geförderte Altersvorsorgemodell, das vor sieben Jahren eingeführt wurde und mittlerweile zwölf Millionen Anhänger gefunden hat,  sowieso zu den Gewinnern der Steuerreform. Der ausschlaggebende Grund: Die Riester-Rente unterliegt der nachgelagerten Besteuerung und ist deshalb nicht von der Abgeltungssteuer betroffen. „Im Vergleich zu den unterschiedlichen Anlageformen sticht die Riester-Rente besonders hervor“, weiß Grychnik. „Die Vorsorge-Aufwendungen inklusive der Staatszulagen werden nicht in der Einzahlungsphase, sondern erst in der Auszahlungsphase, also mit Rentenbeginn versteuert.“

Und es ist eben diese Steuerstundung, welche die Attraktivität der Riester-Rente ausmacht, wie Susanne Meunier, Altersvorsorge-Expertin der Stiftung Warentest erklärt: „Der persönliche Steuersatz eines Rentners liegt in den meisten Fällen deutlich unter dem Satz eines Berufstätigen.“

So ist zu erwarten, dass die Riester-Rente, die auf Grund großer bürokratischer Hindernisse einst als Totgeburt verspottet wurde, nun zum Verkaufsschlager wird. Und das nicht nur auf Grund der Abgeltungssteuer. „Zu Zeiten der Finanzmarktkrise haben die Menschen ein verstärktes Sicherheits-bedürfnis“, weiß Theo Pischke, Finanzexperte bei Stiftung Warentest. Und auch hier kann die Rie-ster-Rente punkten. Denn: „Im Gegensatz zu einer Altersvorsorge, die nicht staatlich gefördert wird und rein auf Aktien basiert, ist die Riester-Rente krisensicher.“ Und Sicherheit, da sind sich die Finanzexperten einig, ist das höchste Gut einer jeden Altersvorsorge. Jetzt und in alle Ewigkeit.

Christina Betting

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