Verbraucherschützer kritisieren Abgeltungssteuer

Zwei Anleger investieren jeweils 50.000 Euro in ihre Altersvorsorge. Am Ende hat der eine über 100.000 Euro mehr in der Tasche. Schuld daran ist die Abgeltungssteuer. Wie es dazu kommen kann, zeigt die Verbraucherzentrale Bremen an einem fiktiven Rechenbeispiel.

Zwei dreißigjährige Arbeitskollegen beziehen beide das gleiche Gehalt. Der einzige Unterschied: der eine von ihnen besitzt bislang außer einigen Rücklagen kein nennenswertes Vermögen. Er nutzt die staatliche Riesterförderung, möchte aber noch mehr für seine Altersvorsorge tun. Er beginnt deshalb am 1. Januar 2009 damit, monatlich 300 Euro in einen Aktienfonds einzuzahlen. Diesen Sparplan möchte er bis zum 67. Lebensjahr beibehalten.

Der Andere besitzt demgegenüber bereits ein nicht unbeträchtliches Vermögen. Er hat vor kurzem 50.000 Euro geerbt. Diesen Betrag wird er spätestens bis zum Jahresende 2008 in einen Aktienfonds einzahlen. Es ist der gleiche Fonds wie bei seinem Kollegen und auch er möchte die Anlage bis zu seinem 67. Lebensjahr laufen lassen. Daneben nutzt er ebenfalls die Riester-Förderung. Weitere Vorsorge für das Alter betreibt er nicht. Die 300 Euro, die sein Kollege monatlich spart, nutzt er dazu, sich etwas mehr von den angenehmen Seiten des Konsumlebens zu gönnen.

Es sei nun weiterhin angenommen, dass die Anlagepläne tatsächlich durchgehalten werden und der Aktienfonds im Durchschnitt – nach Kosten – eine jährliche Wertsteigerung von sieben Prozent verzeichnet. Ein Prozent davon entfällt auf Dividenden, die – ab dem Zeitpunkt, an dem sie den Steuerfreibetrag von 801 Euro übersteigen – mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belastet werden. Die nach dem Steuerabzug verbleibenden Beträge werden wieder investiert.

Zum 67. Lebensjahr würden dann beide in etwa das gleiche Guthaben in ihrem Aktienfonds besitzen, nämlich rund 607.000 Euro.

Wenn beide nun ihre Fondsanteile verkaufen, um das Geld in risikoärmere Anlagen umzuschichten, sehen die Vermögensbilanzen allerdings verschieden aus: Derjenige, der die 50.000 Euro geerbt und diesen Betrag noch in 2008 in dem Aktienfonds angelegt hat, wird vom Finanzamt nicht behelligt. Ihm verbleiben die gesamten 607.000 Euro, da die Kursgewinne von Aktien, die vor dem 1.1.2009 erworben wurden, steuerfrei bleiben.

Anders bei seinem Kollegen. Er hat sich im Leben vor der Rente weniger gegönnt und fleißig gespart. Seine Fondsanteile hat er aber erst nach 2008 erworben und das bedeutet: auch die Kursgewinne unterliegen der Abgeltungssteuer. Da er inklusive der wieder angelegten Dividendenausschüttungen rund 147.000 Euro in den Fonds eingezahlt hat, sind 460.000 Euro zu versteuern. Das bedeutet: 115.000 Euro sind ans Finanzamt abzuführen. Unter dem Strich verbleiben dem fleißigen Vorsorgesparer somit noch 492.000 Euro.

Fazit der Bremer Verbraucherschützer: „Die Abgeltungssteuer hat eine deutliche soziale Schieflage: Wer schon Vermögen besitzt, wird verschont und begünstigt. Wer erst noch Vermögen bilden will, wird demgegenüber belastet. Dem viel beklagten Schwinden der Mittelschichten wird das kaum entgegenwirken.“

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